10.02.2012

Cage-People-Ausstellung in LUMEN eröffnet

Ein Käfig, nur zwei Quadratmeter groß, an den Gitterstäben hängen Blechdosen und Kleidungsstücke, auf dem Boden liegt eine dünne Decke, auf einem Brett in der Ecke stehen ein paar Plastikschüsseln - das ist das „Zuhause“ der sogenannten „Käfigmenschen“ (Cage People) in Hongkong. Ein solcher Käfig ist jetzt auch in der Ausstellung „Daheim auf zwei Quadratmetern“  in der Jugendkirche LUMEN in Ludwigshafen zu sehen. 17 Banner mit Fotos und Texten vermitteln außerdem einen Eindruck vom Leben dieser „Cage People“. Der Speyerer Weihbischof Otto Georgens hat die Ausstellung, die das katholische Hilfswerk MISEREOR zusammengestellt hat, heute Vormittag in LUMEN eröffnet. Bis zum 17. Februar ist sie dort zu sehen.

An der Vernissage nahmen auch Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 und des Schülercafes des Geschwister-Scholl-Gymnasiums teil. Sie hatten nicht nur die Brezeln für die Ausstellungseröffnung gespendet, sondern in ihrer Schule einen Kuchenverkauf unter dem Motto „Wir backen für die Menschenwürde“ organisiert. Den Erlös von 500 Euro überreichten sie gemeinsam mit ihrem Religionslehrer Pfarrer Heinz-Jürgen Sommer an Weihbischof Georgens - als Spende für die MISEREOR-Partnerorganisation Society for Community Organization (SoCO), die sich für die „Käfigmenschen“ in der chinesischen Millionenstadt engagiert.

Der Chor des Geschwister-Scholl-Gymnasiums unter Leitung von Sabine Nebel sorgte für den musikalischen Rahmen der Vernissage. Im Namen des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Mitträger der Jugendkirche, begrüßte BDKJ-Diözesanvorsitzende Kirsten Glaser die etwa 150 Gäste, darunter eine Klasse der Mosaikschule aus Oggersheim, Vertreter der Schulleitungen und Domkapitular Franz Vogelgesang. „Auch für uns als Kinder- und Jugendverband ist das Recht auf Wohnung wichtig und deshalb zeigen wir hier in unserer Jugendkirche diese Ausstellung“, so Glaser.

In die Ausstellung und die Arbeit von SoCO führte Anna-Maria Kohler-Ulrich aus Bockenheim ein. Sie arbeitet ehrenamtlich in einem Arbeitskreis „Eine-Welt-Arbeit im dritten Lebensalter“ mit und konnte auf einer Reise nach Hongkong „Cage People“ besuchen. Sie schilderte, wie beklemmend das Leben dieser Menschen ohne Rückzugsmöglichkeit oder Privatsphäre ist. In der chinesischen Metropole leben über 100 000 Menschen in diesen überteuerten Behausungen, rund 20 000 von ihnen sind Kinder. Bis zu 100 Menschen teilen sich so eine Etage in Hochhäusern, deren Besitzer die Not der Menschen ausnutzen, die sich nichts anderes leisten können.  Die Wege zwischen den Käfigen sind eng, die Luft schlecht und mehr als 50 Menschen müssen sich oft eine Toilette und eine Dusche teilen. „Viele schämen sich dafür, so leben zu müssen“, berichtete Kohler-Ulrich.

Die MISEREOR-Partnerorganisation SoCO setzt sich seit 1972 für die „Cage People“ ein. Sie begleitet sie bei Behördengängen, unterstützt sie bei Verhandlungen mit den Vermietern oder organisiert Hausaufgabenhilfe. Durch die Arbeit von SoCO sei es trotz aller Probleme gelungen, die Zahl der „Cage People“ von 250 000 in den 80er Jahren auf 100 000 zu senken. Mit der Ausstellung habe SoCO einen ungewöhnlichen Weg beschritten, eine breite Öffentlichkeit auf das Schicksal der „Cage People“ aufmerksam zu machen, so Kohler-Ulrich.

„Vielen Dank, das ist die erste Spende für die nächste MISEREOR-Aktion“, lobte Weihbischof Georgens das Engagement der Schülerinnen und Schüler. „Misereor super turbam – ich habe Mitleid mit den Menschen“ – dieses Wort habe Jesus gesagt und „er könnte es auch angesichts der Situation der „Cage People“ gesagt habe“, so der Weihbischof. Jeder Mensch habe nicht nur einen Wert sondern eine Würde. Zu einem menschenwürdigen Leben gehöre eine Privatsphäre, die diese Menschen nicht hätten. MISEREOR versuche gemeinsam mit der Partnerorganisation dies zu ändern. „Wir alle können aber auch einen Beitrag dazu leisten, damit diese Menschen menschenwürdig leben können – so wie ihr Schüler auch schon einen Beitrag geleistet habt “, betonte Georgens.

„Da sieht man erst, wie gut man es hat“, so der Kommentar von Lea (17), einer der jungen Ausstellungsbesucherinnen und ihre gleichaltrige Mitschülerin Sara meint: „Es ist einfach erschreckend, dass es solche Wohnsituationen gibt.“

Bis zum 17. Februar wird die Cage-People-Ausstellung in LUMEN (Mundenheimer Str. 216) jeweils von 8 bis 16 Uhr zu sehen sein sowie am Mittwoch, 15. Februar, zusätzlich von 18 bis 22 Uhr. Am Wochenende ist die Ausstellung geschlossen. Besucher und Besucherinnen werden gebeten, sich vorher anzumelden: Tel. 06 21/66 94 82 oder per Mail: jo.lauer@lumen-ludwigshafen.de. Die Dokumentation wird auch im Mittelpunkt eines Wortgottesdienstes in LUMEN am Sonntag, 12. Februar, um 18 Uhr, stehen.

Weitere Stationen der Ausstellung sind das Edith-Stein-Gymnasium in Speyer, die Pfarrkirche St. Martin in Kaiserslautern, das Johanneum in Homburg/Saar und das Heinrich-Pesch-Haus in Ludwigshafen. Alle Termine findet man unter www.bdkj-speyer.de.  Die Ausstellung gehört zu einer Reihe von Veranstaltungen im Rahmen der bundesweiten Eröffnung der diesjährigen Fastenaktion von MISEREOR am 26. Februar in Speyer.

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