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Jugendverbandsarbeit ist gelungene Berufungspastoral

27. April 2017

Im Vorfeld des Weltgebetstag um Geistliche Berufe am 7. Mai hat der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Speyer heute die Ergebnisse einer Umfrage unter Priestern, Pastoral- und Gemeindereferenten im Bistum Speyer veröffentlicht. In Kooperation mit der Abteilung Jugendseelsorge prüfte der BDKJ Speyer 2016 die Bedeutung der Jugendverbände in der Berufungspastoral. "Wir wollten mit der Umfrage unsere eigene Arbeit kritisch beleuchten. Gerade im Kontext des Umstrukturierungsprozesses in den Pfarreien unseres Bistums haben wir oft den Eindruck, dass jugendverbandliche Arbeit Fähigkeiten vermittelt, die für die- sowohl haupt- als auch ehrenamtliche Arbeit- unglaublich wichtig sind. Sie wird aber auch häufig als "Relikt alter Zeiten" in Frage gestellt. Die Frage müssen wir uns gefallen lassen. Deshalb ist uns auch eine regelmäßige kritische Überprüfung unserer Arbeit wichtig. Damit wir sie gezielt weiter entwickeln können, haben wir uns entschlossen, im Hinblick auf die Frage "Inwieweit ist Verbandsarbeit Berufungspastoral?" den umgekehrten Weg zu wählen. Wir haben hauptamtliche pastorale Mitarbeiter gefragt: Seid ihr jugendverbandlich aktiv gewesen? War das für euch ein Schritt auf eurem Entscheidungsweg hin zur Berufswahl? Was habt ihr an Skills in eurer jugendverbandlichen Zeit erworben, die ihr immer noch braucht?", erklärt BDKJ-Diözesanpräses Carsten Leinhäuser den Hintergrund der Umfrage."Die Antworten haben uns in ihrer Deutlichkeit überrascht und bestärken uns in der Überzeugung, dass jugendverbandliche Arbeit absolut wertvoll und wichtig ist. Sie ist es nicht nur im Bereich der Vernetzung und des kirchlichen und politischen Engagements, sondern eben auch in der Berufungspastoral. Hier macht Jugendverbandsarbeit vor allem eines: Richtig gute Arbeit! Und das zum Großteil ehrenamtlich mit fachlicher, hauptamtlicher Unterstützung", stellt Leinhäuser fest. Die Datengrundlage der Umfrage bildete ein anonymisierendes Erhebungsverfahren (Fragebogen) unter den Pastoralen Mitarbeitern. An der Umfrage nahmen 88 Personen teil. Davon waren etwa je ein Drittel Priester, Gemeinde- und Pastoralreferenten. Somit ermöglicht die Umfrage valide Aussagen über Faktoren, die zum Anstreben eines pastoralen Berufs führten sowie von Skills, die im jugendverbandlichen Kontext erworben wurden und die aktuelle Arbeit mit prägen. Aus den gegebenen Antworten lassen sich folgende Thesen ableiten: 

Jugendverbände sind der größte Nährboden für Berufungen

Bei der Möglichkeit von Mehrfachnennung wurden Jugendverbände 76 mal als (ehemalige) Heimat genannt, Ministrantenarbeit 49 mal und freie Jugendgruppen erhielten 14 Nennungen.

Verantwortung in Jugendverbänden unterstützt die Bereitschaft zum Pastoralen Dienst

Mehr als achtzig Prozent der Befragten hatten ein Leitungsamt auf Pfarrei-, Dekanats- oder Diözesanebene inne. Somit sind die Jugendverbände ein Erprobungs- und Motivationsfeld für den Pastoralen Dienst. 

Reflexion und Demokratie bilden für den Pastoralen Dienst

Verantwortliche der Jugendverbände erleben und erlernen einen Glaubens- und Weltbezug, der die Reflexion ihrer Erfahrungen und den demokratischen Interessensabgleich in den Mittelpunkt stellt. Wenn sich gerade Menschen mit diesen Erfahrungen für den pastoralen Dienst entscheiden, bei der Diözese Anstellung finden und bleiben, scheinen Reflexion und Demokratie wichtige Bildungsinhalte zu sein.

Kommunion und Pubertät sind Entscheidungsmomente

Die meisten Pastoralen Mitarbeiter kamen in den Jahren ihrer Kommunion oder in den lebensgeschichtlichen Veränderungen ihrer Pubertät zu den Jugendverbänden. Zum Pastoralen Dienst kommt man also durch frühen Kontakt mit Jugendverbänden. Es kann vermutet werden, dass touch-and-go-Angebote weniger zu Berufungen führen als individuell als relevant erlebte Verbindlichkeit der Jugendverbände. 

Jugendverbände sind ein "Fischernetz"

Mit weitem Abstand (40 Nennungen) kommen die zukünftigen Pastoralen Mitarbeiter_innen durch persönliche Kontakte zu den Jugendverbänden, gefolgt von Hauptamtlichen (19 Nennungen) und Veranstaltungen (14 Nennungen) oder die Verbände selbst (7 Nennungen). Kaltakquise in Schule und Pfarrblatt spielen fast keine Rolle (2 bzw. 1 Nennung). Damit sind die Kinder und Jugendlichen der Jugendverbände die erfolgreichsten "Menschenfischer". 

Skills durch Jugendverbände

Teamarbeit (68 Nennungen) und spirituelle Erfahrungen (55 Nennungen) bilden die häufigsten Grundlagenkompetenzen, die für den pastoralen Dienst erworben wurden. Dem schließt sich eine breite Palette von Skills an: Liturgische Feiern konzipieren, pädagogische Arbeit (je 51 Nennungen), Projektplanung und –durchführung (50 Nennungen), Vernetzung (40 Nennungen), Moderation von Sitzungen (36 Nennungen), demokratische Strukturen gut nutzen (32 Nennungen), Reflexion von Projekten und Öffentlichkeitsarbeit (je 28 Nennungen), Erstellung von Tagungsunterlagen, Protokollen (27 Nennungen), Umgang mit Finanzen (23 Nennungen). Die Pastoralen Mitarbeiter_innen haben in Jugendverbänden also bereits relevante Schlüsselkompetenzen erworben, die in der Aus- und Weiterbildung weiterentwickelt werden. 

Erfahrungen nutzen für den Pastoralen Dienst

Auf die Frage, wie stark sie ihre Jugendverbandserfahrungen für ihren alltägliche Arbeitsvollzüge nutzen und ob sie ihre Berufswahl beeinflusst haben, antworten die Befragten mit einem geringen Wert von je 3,5 auf einer Skala von 0 bis 10. Aus der Biografieforschung ist aber bekannt, dass singuläre Erlebnisse stärker im Gedächtnis bleiben als kontinuierlicher, aber eigentlich nachhaltiger Kontakt. 

Leider konnte mit der vorliegenden, vornehmlich quantitativ ausgerichteten Untersuchung nur in geringem Maß die Bedeutung der Jugendverbände für die Pastoralen Mitarbeiter ausleuchten. Es ist zu vermuten, dass mit anderen, qualitativen Verfahren aufschlussreiche Aussagen über die Employability der Mitarbeiter getroffen werden können, die in anderen Untersuchungen zur Wirkung von Jugendverbandsarbeit immer wieder nachgewiesen wurden. 

Aktuell studieren rund 10 Jugendverbandler Theologie an verschiedenen Fakultäten in Deutschland. Sie bereiten sich sowohl auf den pastoralen Dienst als auch auf die Tätigkeit als Religionslehrer im schulischen Dienst vor. Der BDKJ Speyer trägt dem hohen Interesse der Verbände an spirituellen Angeboten mit der Ausbildung zur Geistlichen Verbandsleitung Rechnung. Die Ausbildung findet in mehreren Modulen in Kooperation mit dem BDKJ Mainz statt. Aktuell lassen sich acht Verbandler zu Geistlichen Verbandsleitern ausbilden. Die Ausbildung befähigt junge Menschen, in ihren Verbänden auf Dekanats- und Diözesanebene das Amt des Geistlichen Leiters anzustreben. Zudem versteht sich die Ausbildung als Angebot an spirituell Interessierte, sich mit dem eigenen Glauben auseinander zu setzen und ihr theologisches Wissen zu vertiefen.  

>> Die gestellten Fragen, sowie die Ergebnisse der Umfrage im Einzelnen stehen hier zum Download bereit.

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Speyer ist Dachverband von sieben Kinder- und Jugendverbänden im Bistum Speyer. Er vertritt die Anliegen von 7.500 Mitgliedern in Kirche, Politik und Gesellschaft.