Seite an Seite

12.12.15

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Zwei Brüder wohnten einst auf dem Berg Morija. Der jüngere war verheiratet und hatte Kinder, der ältere war unverheiratet und allein.
Die beiden Brüder arbeiteten zusammen, sie pflügten das Feld zusammen und streuten zusammen den Samen aus. Zur Zeit der Ernte brachten sie das Getreide ein und teilten die Garben in zwei gleich große Stöße, für jeden einen Stoß Garben. Als es Nacht geworden war, legte sich jeder der beiden Brüder bei seinen Garben nieder, um zu schlafen.
Der Ältere aber konnte keine Ruhe finden und sprach in seinem Herzen: "Mein Bruder hat eine Familie, ich dagegen bin allein und ohne Kinder und doch habe ich gleich viele Garben genommen wie er. Das ist nicht recht." Er stand auf, nahm von seinen Garben und schichtete sie heimlich und leise zu den Garben seines Bruders. Dann legte er sich wieder hin und schlief ein.
In der gleichen Nacht nun, geraume Zeit später, erwachte der Jüngere. Auch er musste an seinen Bruder denken und sprach in seinem Herzen: "Mein Bruder ist allein und hat keine Kinder. Wer wird in seinen alten Tagen für ihn sorgen?" Und er stand auf, nahm von seinen Garben und trug sie heimlich und leise hinüber zum Stoß des Älteren. Als es Tag wurde, erhoben sich die beiden Brüder, und wie war jeder erstaunt, dass ihre Gabenstöße die gleichen waren wie am Abend zuvor. Aber keiner sagte dem anderen ein Wort.
In der zweiten Nacht wartete jeder ein Weilchen, bis er den anderen schlafend wähnte. Dann erhoben sie sich, und jeder nahm von seinen Garben, um sie zum Stoß des anderen zu tragen.
Auf halben Weg trafen sie plötzlich aufeinander, und jeder erkannte, wie gut es der andere mit ihm meinte. Da ließen sie ihre Garben fallen und umarmten einander in herzlicher brüderlicher Liebe.
Gott im Himmel aber schaute auf sie hernieder und sprach: "Heilig, heilig sei mir dieser Ort. Hier will ich unter den Menschen wohnen."
                        aus dem Hebräischen übertragen von J. Kerschensteiner

Das Reich Gottes kann “Hier und Jetzt” anbrechen,
wenn wir Seite an Seite stehen,
wenn wir unsere Belange mit denen anderer Menschen abwägen,
wenn wir Sorge für andere Menschen tragen,
wenn wir für Rechte anderer Menschen eintreten,
wenn wir uns immer weniger über “Immer mehr ...” definieren,
wenn wir uns am Glück anderer mitfreuen können,
wenn wir bereit sind auch einmal zu verzichten,
wenn wir in jedem Menschen Jesus Christus erkennen.

Das Reich Gottes kann “Hier und Jetzt” anbrechen,
wenn andere an unserer Seite stehen,
wenn andere ihre Belange mit unseren abwägen,
wenn andere Sorge für uns tragen,
wenn andere für unsere Rechte eintreten,
wenn andere sich immer weniger über “Immer mehr ...” definieren,
wenn andere sich an unserem Glück mitfreuen können,
wenn andere bereit sind auch einmal zu verzichten,
wenn andere in uns Jesus Christus erkennen.

Das Reich Gottes kann “Hier und Jetzt” anbrechen,
fangen wir an Seite an Seite,
fangen wir an “Hier und Jetzt”

 

Text: Auszug aus den Frühschichten Hier und Jetzt?

Bild: BDKJ Speyer / CK

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