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Aussichten des Lebens

11. März 2017

8 gegen 8.
Blau gegen Pink.
Leben gegen Tod.
Was ist unser alltäglicher Kampf?
Der gegen unsere Mitmenschen?
Der gegen den Tod?
Oder der gegen das Leben?
Denkt nach.
Was fällt Dir als Antwort ein?
Keine?


Doch irgendwie schwirrt einem das Thema unbewusst im Kopf herum.
Vielleicht nicht mit der direkten Frage, gegen wen wir kämpfen, sondern
eher wofür. Wofür kämpfen wir, wofür leben wir? Hat das ganze einen
Sinn? Und wenn ja, welchen?

Anne Frank ist ein jüdisches Mädchen, das im Zweiten Weltkrieg untertauchen
muss, um den Nazis zu entkommen. Zusammen mit sieben anderen
Verfolgten versteckt sie sich im Hinterhaus der Prinsengracht 263 in
Amsterdam. Nach gut zwei Jahren werden sie entdeckt und ins
Konzentrationslager deportiert. Von den acht Menschen aus dem
Hinterhaus überlebt als einziger Annes Vater, Otto Frank. Anne wird nach
ihrem Tod weltberühmt durch das Tagebuch, das sie im Versteck geschrieben
hat.

Tagebuch Mittwoch, 8. Juli 1942:
Es ist so viel geschehen, als hätte sich plötzlich die Welt umgedreht.
Aber, Kitty, du merkst, dass ich noch lebe, und das ist die Hauptsache,
sagt Vater. Ja, in der Tat, ich lebe noch, aber frage nicht wo und wie.

Tagebuch Montagabend, 8. November 1943:
Ich sehe uns acht im Hinterhaus, als wären wir ein Stück blauer Himmel,
umringt von schwarzen, schwarzen Regenwolken. Das runde Fleckchen,
auf dem wir stehen, ist noch sicher, aber die Wolken rücken immer näher,
und der Ring, der uns von der nahenden Gefahr trennt, wird immer enger.
Jetzt sind wir schon so dicht von Gefahr und Dunkelheit umgeben, dass
wir in der verzweifelten Suche nach Rettung aneinander stoßen. Wir
schauen alle nach unten, wo die Menschen gegeneinander kämpfen, wir
schauen nach oben, wo es ruhig und schön ist, und wir sind abgeschnitten
durch die düstere Masse, die uns nicht nach unten und nicht nach
oben gehen lässt, sondern vor uns steht wie eine undurchdringliche
Mauer, die uns zerschmettern will, aber noch nicht kann. Ich kann nichts
anderes tun als zu rufen und zu flehen: “O Ring, Ring, werde weiter und
öffne dich für uns!“

Gedanken zum Tagebucheintrag
Anne Frank sieht so viel Leid um sie herum passieren. Sie muss auf engstem Raum leben, um sich zu verstecken. Sie weiß aus den Zeitungen und dem Radio, welches Schicksal ihr bevorsteht, wenn sie gefunden wird.
Anne weiß genau, gegen wen sie jeden Tag kämpfen muss. Gegen das NS-Regime,
und in gewisser Weise auch gegen sich selbst: Gegen den Drang,
aufzugeben und sich zu ergeben.
Jeden Tag mit der Gewissheit aufzuwachen, heute gefunden werden zu
können und ins Konzentrationslager zu müssen.
Ist das Annes Leidensweg? Jederzeit die Bilder vor Augen zu haben, was
passieren könnte und letzten Endes auch passiert?
Jeden Tag so zu leben, als könnte es der letzte sein? Ist das überhaupt
noch ein richtiges Leben?
Welche Freiheiten kann sie überhaupt noch genießen?

Trotz allem verliert Anne Frank nicht ihren Lebensmut und ihre Hoffnung
und schreibt ihr Tagebuch. Auch wenn es nur eine Ablenkung für sie sein
könnte, in dem Tagebuch schreibt sie hoffnungsvoll, “als wären wir ein
Stück blauer Himmel…” jedoch mit melancholischem Unterton: “umringt
von schwarzen, schwarzen Regenwolken…”. Aber sie bleibt stark und
schreibt immer weiter. Sie schreibt von schönen Momenten, die ihr in dieser
schwierigen Zeit widerfahren, von Menschen, die sie umgeben und sie
stärken.


Aus den Frühschichten „Auf Leben und Tod“:
http://www.bdkj-speyer.de/mitmachen/auftanken/frueh-und-spaetschichten/

Mehr über Anne Frank:
https://de.wikipedia.org/wiki/Anne_Frank

 

Bild: Thomas Brenner

Text: Hanna Kretz und Nicole Christmann / BDKJ Speyer