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Nichts unter allen Dingen ist ihr eigen, und doch ist alles in ihr ...

24. Oktober 2011

Nichts unter allen Dingen ist ihr eigen, und doch ist alles in ihr; und sie ist
immer bei allem.   ...    Sie schafft alles und vernichtet alles, aus ihr entspringt
das Leben, aber auch der Tod. So lang sie sich in der Erwartung dehnt, so kurz
ist sie in der Erinnerung. Obwohl sie uns ständig begleitet, bleibt sie uns immer
fremd. Und obwohl es so viel davon gibt, ist jeder Augenblick unwiederbringlich
und unersetzlich. Daher ist der Verlust an Zeit bedeutender und zugleich
gewöhnlicher als irgendein anderer Verlust, den wir erleiden können.

Aus: Anthony Grafton, Cardanos Cosmos, Berlin 1999, S. 8


Was wäre, wenn unsere Uhren rückwärts gehen würden?

Vielleicht kennt der ein oder andere von euch das Gefühl, außerhalb der Zeit zu sein. Ich habe dieses Gefühl meistens in Momenten, die mich glücklich machen: Wenn ich zum Beispiel im Urlaub bin, etwas Schönes sehe und dabei den Eindruck habe, ich bekomme besonders viel Zeit geschenkt oder die Uhren stehen für einen Augenblick still... In anderen Momenten wiederum ist es, als ob mir jede Minute des  Tages gestohlen wird, und ich für den Tag eigentlich noch viel mehr Sekunden, Minuten und Stunden bräuchte. Das sind die „Ich-habe-keine-Zeit“-Situationen, die mich belasten, weil sie mich innerlich antreiben und beherrschen, wenn ich nicht lerne, den Zeitrahmen des Tages zu akzeptieren und respektiere, dass ich nicht alles an diesem einen Tag erledigen kann.

Ich wünsche euch Zeit, und vor allem auch die Gabe, ab und zu außerhalb der Zeit zu sein, denn das sind Momente, in denen ihr Gott nahe sein könnt: Denn Gott ist zeitlos und unendlich.


Text und Foto: Olivia Neeff

Gemälde auf dem Foto: Christa Klöfer