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Frauenbild im postsynodalen Schreiben

12. März 2020

Wir Sprecherinnen und Delegierte des Frauenforums im Bistum Speyer positionieren uns zum Frauenbild des postsynodalen Schreiben „Querida Amazonia“ von Papst Franziskus.  Auch wenn das Engagement des Papstes in Fragen der Umweltthemen zu würdigen ist, sind wir gleichzeitig enttäuscht und empört über die Aussagen im Hinblick auf das hier vermittelte Frauenbild. 

Als Frauen erkennen wir in diesem Schreiben kaum Unterstützungspunkte auf dem Weg zu einer gleichberechtigten Kirche, vielmehr sehen wir uns weiter in alte Denk- und Rollenmuster zurückgedrängt.  Das von Papst Franziskus dargestellte Frauenbild frustriert und demotiviert uns haupt- und ehrenamtlich engagierte Frauen im Bistum Speyer. Wir fragen uns wieder: was heißt das für uns? Was heißt das für unsere Mitarbeit, für unser Engagement und für unsere Hoffnung auf eine gleichberechtigte Kirche?  In diesem Schreiben finden sich wieder starre Männer- und Frauenbilder. Papst Franziskus fürchtet mit der Öffnung der Ämter für Frauen sogar eine Klerikalisierung. Wir fragen uns: Müssten eigentlich Männer vor der Klerikalisierung geschützt werden?

Der erste Impuls aus Enttäuschung und Frustration führt uns zu dem Gedanken aufzugeben. In einer Amtskirche, die ein rückständiges Frauenbild zeichnet, können wir nicht weiter (geistliche) Heimat finden. Wir wenden uns ab, wir ziehen aus und setzen einen Schlusspunkt. Wir sind nicht glaubensmüde, jedoch sind viele – nicht nur wir Frauen mittlerweile kirchenmüde.

Dennoch sehen wir als getaufte und gefirmte Frauen unsere Verantwortung zur Mitgestaltung und Mitarbeit. Wir möchten die Plätze einnehmen, an denen wir mitentscheiden und mitgestalten können. Wir möchten die Freiräume füllen und kreativ ausleben, die sich zum Beispiel in unserem Bistum durch die Einführung alternativer Leitungsmodelle bieten. Als ehrenamtlich engagierte Frauen und als hauptamtliche Mitarbeiterinnen wollen wir helfen, eine Kirche des 21. Jahrhunderts in unserem Bistum Realität werden zu lassen - eine gleichberechtigte Kirche ohne Diskriminierungen, in der jede und jeder mitwirken und entscheiden kann.

Wir sind enttäuscht vom postsynodalen Schreiben, aber wir werden dennoch engagieren und uns für Veränderung in unserer Kirche in Deutschland und besonders in unserem Bistum Speyer einsetzen.

Speyer, im März 2020 im Auftrag der Delegiertenversammlung  die Sprecherinnen

Ute Garth, Marie-Christin-Mayer und Lena Schmidt