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Freiheit für Menschen, die Menschenleben retten

01. Juli 2019

Vergangene Woche hat die deutsche Kapitänin der „Sea Watch 3“, Carola Rackete, ihr Schiff ohne Erlaubnis in einen italienischen Hafen gesteuert. Sie wurde festgenommen, nachdem ihre Crew Menschen aus dem Mittelmeer gerettet hatte und ihr in der Folge die Einfahrt in die Häfen verweigert wurde.

Europa ist keine Festung. Europa ist ein Friedensprojekt. Es baut auf Sicherheit durch Miteinander und lebt von einer starken gemeinsamen Wertebasis. Hierzu zählen Frieden und Freiheit ebenso, wie die Menschenrechte, die beides gewährleisten und die Überzeugung, dass die Demokratie die Staatsform ist, die dem gerechten und sozialen Miteinander dient.

Als katholische Jugendverbände teilen wir diese Werte und halten an ihnen fest. Wir machen uns stark für Menschenrechte, für Freiheit, für Frieden und Demokratie. Wer den Auftrag Jesu ernst nimmt, Gott, die und den Nächsten zu lieben kann schwerlich Menschen beim Ertrinken zuschauen. Wer Jesus nachfolgen will kann die Rettung von Menschenleben nicht kriminalisieren. Das ist weder mit den Menschenrechten noch mit unserem Glauben an einen liebenden und gerechten Gottes vereinbar.

Europa ist so stark, wie es sich an den eigenen Werten messen lässt. Es wird schwach, wenn es Grundüberzeugungen in Frage stellt. Das geschieht in der Debatte um den Umgang mit Geflüchteten immer wieder. Flucht hat Ursachen, die uns weltweit fordern. Sie reichen von kriegerischen Auseinandersetzungen, deren Zusammenhänge in einer globalisierten Welt nur noch global verstanden werden können bis hin zu Klimawandel und damit einhergehenden Naturkatastrophen, die die Lebensgrundlagen ganzer Generationen zerstören.

Die Europaflagge zeigt zwölf Sterne. Das Bild hat seinen Ursprung im biblischen Buch der Offenbarung. In mehrfacher Hinsicht scheint uns das bemerkenswert zu sein. Die Zahl zwölf steht für Vollkommenheit, für „alle“, für das weltweite, generationenübergreifende Miteinander der Menschheitsfamilie. Die Offenbarung ist die Vision einer neuen Welt, die verwirklicht, was Gott seinen Geschöpfen versprochen hat: Frieden und das Wohlergehen aller. Das Paradies also. Nicht zuletzt wurde die Beschreibung der Frau mit dem Sternenkranz oft in Verbindung mit der Gottesmutter Maria gebracht, die Patronin unseres Bistums ist und unter deren „Schutz und Schirm“ jedes Menschenleben steht.

Die Idee Europa hat viel mit der Idee eines guten Lebens für alle Menschen, mit einer Utopie, zu tun. Auch das sagt uns der Verweis des Sternenkranzes in der Europaflagge. Als Christ*innen sind wir Utopist*innen: Unser Ziel ist eine neue Welt und unsere Aufgabe ist, sie hier und jetzt schon Wirklichkeit werden zu lassen. Dazu gehört insbesondere das kompromisslose Eintreten für das Leben und die Würde jedes Menschen. Konkret bedeutet das: Seenotrettung ist Lebensrettung. Insofern jeder Mensch Geschöpf Gottes ist, werden Menschen Gott nicht gerecht, wenn sie Mitmenschen nicht aus Gefahr für Leib und Leben retten. Von akuten Notsituationen ist das ebenso zu sagen, wie von langfristigen Bemühungen um die Rettung zukünftiger Leben im Sinne einer Bekämpfung von Fluchtursachen jeder Art.

Gerade weil uns Europa so lange und beständig Frieden und Wohlstand gewährt hat, sehen wir eine Verpflichtung darin, für Frieden und Wohlstand einzutreten. Das geht nicht durch Nationalismus, sondern nur durch gemeinsame, internationale Kraftanstrengungen. Wir verurteilen in aller Schärfe extremistische Haltungen, die Ausgrenzung bewirken. Wir befürworten alle Anstrengungen, auf den gesellschaftlichen Diskurs um strittige Themen wie Flucht und Asyl mäßigend und lösungsorientiert einzugehen. Unser Dank gilt allen Menschen und Institutionen, die sich hierfür einsetzen. Wir fordern Freiheit für Menschen, die Menschenleben retten und Asyl für Menschen, die vor unmenschlichen Lebensbedingungen auf der Flucht sind. Wir sind bereit, als katholische Jugendverbände und als Kirche dazu unseren Beitrag zu leisten.

Wir können nicht akzeptieren, dass die Kapitänin eines Rettungsschiffes wegen ihres Einsatzes für das Leben anderer selbst zur Zielscheibe von Aggression wird und eine Gefängnisstrafe fürchten muss. Das kann - um Gottes Willen - nicht richtig sein.

Weitere Informationen:
Weiterführende Informationen zu Hintergründen von Flucht und Vertreibung stellt u.a. das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ zur Verfügung: https://www.sternsinger.de/themen/flucht/

Wir rufen zur Unterstützung folgender Projekte und Initiativen auf:

> Flüchtlingshilfefonds des Bistums Speyer: https://www.caritas-speyer.de/spende-und-engagement/spenden/fluechtlingshilfefonds/fluechtlingshilfefond
> https://www.sternsinger.de/
> SeaWatch: https://sea-watch.org/ 
> UNO-Flüchtlingshilfefond: https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/unterstuetzen/spenden/
> Aktion Deutschland hilft: https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/hilfseinsaetze/fluechtlinge-syrien-und-nachbarlaender/
Wir unterstützen ausdrücklich die Onlinepetition für die Freilassung der Kapitänin der „Sea Watch 3“ Carola Rackete:
https://www.openpetition.de/petition/online/freiheit-fuer-frau-rackete-freecarola?fbclid=IwAR0ChqffawL4CXLcXFHE51XKXyb8fPWD0xVdueDE9pwRuf3tBKM58pmGjZw