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Jugend fordert: Lebensrealität in den Blick nehmen

20. Oktober 2020

Jugend fordert: Lebensrealität in den Blick nehmen

150 Jugendliche und junge Erwachsene nehmen an der Umfrage zur Vision des Bistums Speyer teil

(Speyer, 20. Oktober 2020) Seit Mitte August haben rund 150 Jugendliche und junge Erwachsene aus dem ganzen Bistum an der Umfrage des BDKJ Speyer (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) zum Visionsprozess des Bistums teilgenommen. In der Umfrage sollten sie die Fragen beantworten, wo junge Menschen einen Ort im Bistum haben, wie sie sich und ihre Anliegen gut vertreten können, welche Themen sie nerven, was endlich einmal entschieden und angepackt werden sollte und wie mehr junge Menschen auch außerhalb des kirchlichen Kontextes erreicht werden können. 

„Wir haben in vielen Gesprächen festgestellt, dass die Begriffe „Segen“ und „Segensort“, die beim Visionsprozess genutzt werden, für junge Menschen oft nicht greifbar sind und  haben deshalb das zusätzliche  Beteiligungsformat „1000xTeile – (m)eine Kirche“ entworfen.“, so Andreas Rubel, Geistliche Verbandsleitung des BDKJ. Die gesammelten Ergebnisse fließen in den Visionsprozess mit ein. „Die jungen Menschen im BDKJ haben gezeigt wie wichtig ihnen der Prozess ist, weshalb wir hoffen, dass ihre Stimme gehört wird und Kirche verändert. Wir nehmen uns als BDKJ auch in die Verantwortung unsere Strukturen zu evaluieren“, so Thomas Heitz, BDKJ-Diözesanvorsitzender.

Aus der Befragung wird deutlich, dass es kein Kirchengebäude braucht, um Kirche zu erleben. Junge Menschen erleben „Kirche“ vor allem dort, wo sie selbst aktiv und kreativ werden können und Gemeinschaftsgefühl erleben. Die Befragten sind sich einig, dass dies in den Jugendverbänden erlebbar ist. Hier treffen die Vorstellungen und Ideen der jungen Menschen auf die „Institution Kirche“. (Macht)Strukturen, die als starr und festgefahren erlebt werden, treffen auf Wünsche wie die selbstständige Verwaltung von Räumen oder die altersunabhängige Partizipation in den kirchlichen Gremien. Dort machen junge Menschen, sind sie denn vertreten, oft die Erfahrung, dass über sie und nicht mit ihnen geredet wird. Wenn dann noch ein Nutzungsverbot für Messenger-Dienste und Videotools von Seite des Bistums dazu kommt, wird Kommunikation zusätzlich erschwert. 

Kirche lebt aus Sicht der Jugendlichen und jungen Erwachsenen an der Lebensrealität der Normalbevölkerung vorbei. Die Haltung der Amtskirche zu den Themen Sexualmoral, LGBTQI (lesbisch, schwul, bisexuell, trans, queer, intersexuell), Frauen in kirchlichen Ämtern und Befähigung von Lai*innen nervt die Befragten. Ein Verbandler gibt den Missbrauchskandal und die Sexualmoral als Gründe an, dass unsere Kirche für viele junge Menschen nicht ansprechend und unattraktiv ist.

Immer wieder wird die Aussage getroffen, dass Kirche die Offenheit und den Mut für Veränderungen braucht. Dazu ist eine hohe Kritikfähigkeit notwendig, die von den Befragten vermisst wird. Diskussionsbereitschaft erleben Jugendliche und junge Erwachsene in den katholischen Jugendverbänden, die sich zu aktuellen (kirchen-)politischen und gesellschaftlichen Themen positionieren und Antworten geben. Lena Schmidt, BDKJ-Diözesanvorsitzende fasst die Rückmeldungen zusammen: „Katholische Jugendverbände sind für viele junge Menschen, unabhängig davon, ob sie Christ*innen sind oder ob sie an Gott glauben oder nicht, eine Anlaufstelle. Gemeinsam haben sie, dass sich dennoch alle der jeweiligen Gruppierung zugehörig fühlen, was in der Umfrage damit begründet wird, dass in den Jugendverbänden Gemeinschaft erlebt und gelebt wird und jede*r so sein kann wie er*sie ist. Viele Befragte geben an, dass sie dort das Gefühl haben nicht perfekt sein zu müssen und nicht fallen gelassen werden, wenn mal etwas anders läuft – das ist gelebtes Christentum.“