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Katholikentag mit breiter Jugendbeteiligung

16. September 2019

(Kaiserslautern, 16.9.19) Juliana Kassel aus der KjG im DV Speyer hat beim Katholikentag am 15.9.19 in Kaiserslautern im Namen der Jugend für eine offene Kirche und Veränderungen geworben. In ihrem Poetry Slam im Rahmen der Dialogpredigt mit Bischof Wiesemann sagte sie, sie träume von einer „Kirche, in der Kindern und Jugendlichen mehr Stimme verliehen, ja sogar Leitung übertragen wird. In der nicht immer nur alte Männer regieren, sondern junge Menschen für ihre Themen plädieren.“ Sie sprach sich mit eindrücklichen Worten für mehr Gerechtigkeit und Kirchenreformen im Hinblick auf Sexualmoral und Gleichberechtigung aus und erntete damit großen Beifall der Gottesdienstbesucher*innen.

Der Katholikentag fand erstmals auf dem Gelände der Gartenschau in Kaiserslautern unter dem Leitwort „Weite(r) denken“ statt. „Von diesem Katholikentag geht ein Signal nicht der Spaltung, sondern der Gemeinschaft, des Dialogs und der Zuversicht aus“, stellte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann fest. Er erlebe die gegenwärtige Situation als Zäsur, die ihn auch persönlich sowohl im politisch-gesellschaftlichen wie im kirchlichen Leben herausfordere, bekannte Bischof Wiesemann in seiner Predigt. „Die Fragen der Zeit spitzen sich zu.“ In den Mittelpunkt seiner Predigt stellte er ein Gespräch mit Juliana und drei weiteren jungen Frauen, die ihre Sicht auf die Kirche zum Ausdruck brachten. Die Kirche sei zu steif und monoton, kritisierten sie. Zugleich warben sie dafür, patriarchale Strukturen zu überwinden, den Zölibat abzuschaffen, Homosexuelle und Geschiedene vorbehaltlos zu akzeptieren sowie Frauen in der Kirche gleichzustellen und zu Priesterinnen zu weihen. „Kirche braucht Veränderung, wenn sie die jungen Menschen nicht verlieren will“, sagten die Jugendlichen. und bekamen von den Gottesdienstteilnehmern viel Beifall.

„Das Vertrauen ist die Grundlage der Dialogfähigkeit“, antwortete Bischof Wiesemann. Die Größe des Vertrauens in das Gemeinsame eröffne die Weite des Dialogs und des auch kontroversen Ringens um den Weg in die Zukunft. „Je größer das Vertrauen, desto weiter können wir denken, ohne uns zu zerspalten“, betonte Bischof Wiesemann. Denkverbote seien nicht hilfreich, um die Einheit zu bewahren. „Man kann nicht aufeinander hören lernen, wenn drängende Themen nicht angesprochen werden und Teile des Gottesvolkes nicht mitreden dürfen.“ Der Heilige Geist sei „nichts Statistisches, kein System der Lehre oder der Macht, sondern Leben, das sich dadurch treu bleibt, dass es sich weiterentwickelt.“

Visionsprozess des Bistums: Beteiligung zentral, lokal und digital

Lena Schmidt, BDKJ-Diözesanvorsitzende und Mitglied der Lenkungsgruppe, moderierte zusammen mit Felix Goldinger, Geschäftsführer des Visionsprozesses, die Eröffnung des Visionsprozesses auf der Katholikentagsbühne. Bischof Wiesemann sagte zur Eröffnung: „Wir stehen in den nächsten Jahren vor wichtigen Entscheidungen. Da ist es wichtig, dass wir uns unseren Auftrag noch einmal klarer bewusst machen“, lud er alle Gläubigen dazu ein, ihre persönlichen Erfahrungen und Sichtweisen in den Visionsprozess einzubringen und über den gewohnten Horizont hinauszudenken. „Wir schauen dabei auf die große Vision, die uns in Jesus Christus geben ist.“
Der Visionsprozess steht unter der Überschrift „Segensorte“. Wer von Kirche spricht, denke viel zu oft an Struktur und an Vorschriften. „Dabei ist es doch das, was Kirche vor allem meint: Orte gesegneter Gemeinschaft, Segensorte. Wo Segen geschieht, wird Gottes Gegenwart spürbar und lässt Gemeinschaft wachsen“, machte Felix Goldinger deutlich, der den Visionsprozess begleiten wird.

An fünf Orten im Bistum wird es im kommenden Jahr zentrale Veranstaltungen zum Visionsprozess geben. Zugleich sind Pfarreien und Gemeinden ebenso wie Verbände oder Einrichtungen eingeladen, sich auf lokaler Ebene mit dem Thema Vision auseinanderzusetzen und Segensorte zu erkennen und zu entwickeln. Über das Internet besteht darüber hinaus die Möglichkeit, sich mit seinen Erfahrungen und Sichtweisen digital am Visionsprozess des Bistums zu beteiligen.

Pirmin Spiegel: Brücken bauen, nicht Mauern

Leid und Ungerechtigkeit zu sehen, den „Schrei der Armgemachten“ und die „Klage der ausgeplünderten und verwundeten Erde“ zu hören, gleichzeitig die Hoffnungsbotschaft Jesu und die Vision von einem „gemeinsamen Haus aller Menschen“ gegen Resignation und Pessimismus zu stellen: Darum ging es Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer des Hilfswerks Misereor. In Kaiserslautern weitete er mit seinen Impulsen den Blick und griff das Thema des Katholikentags „Weite(r) denken“ aus einer weltkirchlichen Nord-Süd-Perspektive auf.

Rund 35 Verbände, Gruppen und Organisationen informierten auf dem Markt der Möglichkeiten über ihre Arbeit und Aktionen und präsentierten so eine Vielfalt von Themen. An den Ständen hatten die Besucher die Chance an Mitmachaktionen teilzunehmen, ins Gespräch zu kommen und mehr über die Ziele, das Engagement und das Angebot der jeweiligen Initiative oder Einrichtung zu erfahren. Gut frequentiert waren auch die Angebote des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Viele Kinder nutzten die Kletterwand. Auch vor den Bastelangeboten in der Jurte, beim Tischkicker und beim Bauen der Konstruktionshölzer bildeten sich immer wieder Warteschlangen.

>> Pressebild Juliana Kassel
>> Link zum Poetry Slam-Text von Juliana
>> Link zu "Segensorten"


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