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Politiker fordern Stärkung der Freiwilligendienste

23. Juni 2021

(Speyer, 22. Juni 2021) Bei der gestrigen Dialogveranstaltung „Brot & Palaver – Anerkennung und Wertschätzung von Freiwilligendiensten“ des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Speyer kamen Alexander Schweitzer, rheinland-pfälzischer Minister für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitales sowie Thomas Gebhart, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Gesundheit, mit zwei FSJlerinnen des BDKJ Speyer, Denise Funk und Johanna Thomé, ins Gespräch. 

Als einen Knackpunkt bezeichneten Funk und Thomé die geringe Attraktivität und Anerkennung eines Freiwilligendienstes. Dies liege ihrer Meinung nach unter anderem an der schlechten Informationslage über Freiwilligendienste und deren Ausgestaltung. „Ich habe von einem Freund von der Möglichkeit des Freiwilligen Sozialen Jahres erfahren, aber nicht durch die Schule oder die Sozialen Medien“, berichtete Funk. Beide Politiker waren sich einig, dass es eine Informationsoffensive benötige, um die Freiwilligendienste einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und deren Attraktivität zu steigern. Eine solche Informationsoffensive sei für den Bundesfreiwilligendienst laut gestern verabschiedetem Wahlprogramm von CDU/CSU geplant, erklärte Gebhart im Kontext dessen. 

Darüber, dass ein Freiwilligendienst nicht mit einer Ausbildung oder einem Mini-Job gleichgesetzt werden dürfe, waren sich alle Beteiligten einig. Die beiden Freiwilligen fühlen sich und ihren Dienst jedoch gerade was das Taschengeld, das Freiwillige erhalten, nicht ausreichend wertgeschätzt. Thomé berichtete, dass viele Freiwillige ohne die Unterstützung ihrer Familie keinen Freiwilligendienst absolvieren könnten, da beispielsweise für die monatlichen ÖPNV-Kosten, um zur Einsatzstelle zu gelangen, ein großer Anteil des Taschengeldes abgehe. Diese und weitere Hürden machen Freiwilligendienste noch unattraktiver. Aktuelle Planungen sollen hier Abhilfe schaffen, berichtete Schweitzer:  „Wir haben vor ein 365€-Ticket für junge Menschen in Rheinland-Pfalz einzuführen. Wir wollen das Ticket in dieser Wahlperiode umsetzen.“ Für die Bundesebene erklärte Gebhart, dass CDU/ CSU anstreben, das Taschengeld für Bundesfreiwilligendienst-Leistende zu erhöhen. Die Forderungen der Bundesarbeitsgruppe FSJ, in welcher der BDKJ Mitglied ist, sind allerdings weitreichender. Die Arbeitsgruppe fordert freie Fahrt für Freiwillige im öffentlichen Personennahverkehr.

Beide Freiwilligen stehen am Ende ihres Freiwilligen Sozialen Jahres und berichteten, dass ihr Dienst für ihren persönlichen Lebensweg sehr bereichernd war. Funk und Thomé wollen auch zukünftig im jeweiligen Einsatzbereich arbeiten. Thomé wies hierbei kritisch darauf hin, dass ihr Freiwilligendienst, den sie in einer Kinderklinik leistet, für ihre geplante Pflegeausbildung jedoch nicht anerkannt würde. Gleichzeitig sei es hingegen gang und gäbe, dass Freiwilligendienste von Universitäten für soziale Studienfächer anerkannt würden. Arbeitsminister Schweitzer zeigte sich erstaunt über diese „Unwucht zwischen Studium und Ausbildung“ und kündigte an, mit der Handelskammer zum Thema „Anerkennung von Freiwilligendiensten“ ins Gespräch zu gehen.

„Ich bin begeistert, dass wir mit unserem kleinen Dialogformat dazu beitragen konnten, dass unsere Freiwilligen einmal direkt mit zwei Politikern ins Gespräch kommen konnten, um von ihren Erfahrungen zu berichten. Zudem konnten wir den Politikern auch Impulse mitgeben, wie Freiwilligendienste eine größere Anerkennung und Wertschätzung erfahren können“, reflektierte Tobias Christmann, Referent für Freiwilligendienste beim BDKJ Speyer.